Zusammenfassung von Ein Brief (Chandos-Brief)

 
Das literarische Prosawerk "Ein Brief" des österreichischen Schriftstellers Hugo von Hofmannsthal ist im Sommer 1902 entstanden und beschreibt die innere Zerrissenheit des fiktiven, erfolgreichen Schriftstellers Lord Chandon. Nachdem sein Freund und Mentor Francis Bacon ihn nach dem Grund seiner langen Schaffenspause anspricht, widmet er ihm einen offenen Brief, in dem er still und leise Abschied von seinem bisherigen Leben nimmt.

Philipp Lord Chandon ist 26 Jahre alt, als er im Jahre 1603 diesen Brief an Francis Bacon richtet
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. Er blickt auf einige hoch gelobte Frühwerke zurück und gilt als junges Genie der Dichterkunst. Das Wort wird durch ihn zum Leben erweckt und er vermag es wie kein anderer, die Sprache so zu beflügeln, dass jeder einzelne Buchstabe und jedes entstandene Wort an Bedeutsamkeit gewinnt. Die Sprache ist für ihn Ausdruck tiefster Emotionen.

Mittlerweile ist Lord Chandon der Sprache als höchste Form des Ausdrucks überdrüssig. Wie ein Gourmet-Koch, der seinen Geschmackssinn verloren hat, ist er außer Stande, die Worte zu sortieren. Feste Begriffe als Beschreibung eines Gegenstandes oder einer Begebenheit, gibt es für ihn nicht mehr. Blickt er auf seine eigenen Werke zurück, spürt er eine große Distanz. Er kann sich weder mit seiner Schreibkunst identifizieren, noch kann er sie ertragen.

Die Einheit zwischen Seele, Körper und Geist ist für ihn zerstört, selbst das Aussprechen dieser Worte bereitet ihm großes Unbehagen. Die Sprache führt die Welt für ihn nicht mehr zusammen, sie teilt sie in ein Scherbenmeer; Barrieren tun sich auf! Aus Intensität und Tiefgang wird schiere Oberflächlichkeit, der sich Lord Chandon nicht länger aussetzen kann und mag.

Für ihn sind sprachliche Mittel die unterste Form des Ausdrucks und er entsagt seinem bisherigen Wesen völlig.

Chandons Brief selbst ist klar strukturiert und von einer tadellosen Rhetorik; alles, was er als verlorengegangen beschreibt, gelingt ihm hier meisterhaft. Lord Chandon bricht mit seinen Grundsätzen und mit sich selbst.

Diese Entfremdung der eigenen Sprache, die ihm bisher alles zu sein scheint, macht ihn zum Außenseiter. Seine Ablehnung der Sprache als Form des Ausdruckes und die Sprache an sich kann man als "Flüsse tiefster Intoleranz" sehen, die ein Zusammenwachsen unmöglich machen.

"Ein Brief"(Chandons Brief) ist Abschied und Wiedergeburt zugleich. Während Chandon der vermeintlichen Sinnhaftigkeit der Sprache für immer entsagt und sein Talent verloren glaubt, findet er Gefallen an der stillen Sprache und sucht nach neuen Brücken, die es den Menschen ermöglicht, unvoreingenommen aufeinander zuzugehen.

So wie ein Blinder eine deutlich höhere Sensibilität anderen Menschen gegenüber entwickelt, verspürt Chandon den dringlichen Wunsch, ein Beobachter der stillen Gegenstände zu sein, die auf andere Art und Weise mit ihm kommunizieren. Es ist eine sprachlose Schwärmerei seinerseits, die ihn einerseits erfüllt und andererseits seine innere Leere spüren lässt.

Lord Chandon verabschiedet sich als poetischer Weggefährte Bacons, gibt aber an, eine neue Form des Ausdrucks finden zu wollen...

"Ein Brief" ist ein Prosawerk mit vielen Metaphern, welches die Liebe zum geschriebenen Wort unterstreicht und gleichzeitig in seiner Sinnhaftigkeit als bedeutungslos erscheinen lässt. Es spiegeln sich Parallelen zwischen dem fiktiven Schriftsteller Chandon und dessen "Erfinder" Hugo von Hofmannsthal wieder.

In beeindruckender Form wird das Zusammenspiel zwischen der Kraft des Wortes an sich und der gleichzeitigen Sprachlosigkeit des jungen Lord Chandon zelebriert.

Brief gilt als einer der wichtigsten Gründungsschriftstücke der modernen Literatur und ist mit seiner Sprachkritik in die Geschichte eingegangen. Gleichzeitig markiert er eine Wende im Schaffen des Künstlers. Hugo von Hofmannsthal zweifelt wie auch andere Schriftsteller um die Jahrhundertwende, dass die Wirklichkeit mithilfe von Sprache und Literatur objektiv abbildbar ist.

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